• Pro­duk­ti­on und Ver­sand wei­ter­hin und unein­ge­schränkt sichergestellt

Nor­der­stedt. 1. Okto­ber 2018. Der seit Jah­ren rück­läu­fi­ge Umsatz in der Foto­druck-Indus­trie im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich und ein rund fünf­mo­na­ti­ger Lie­fer­aus­fall eines Her­stel­lers für Color­pa­pie­re haben die Teten­al Euro­pe GmbH in eine wirt­schaft­li­che Schief­la­ge gebracht. Vor die­sem Hin­ter­grund hat Geschäfts­füh­rer Dani­el Mid­den­dorf für das Unter­neh­men beim Amts­ge­richt Nor­der­stedt einen Antrag auf eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz gestellt. „Teten­al steht seit Jah­ren unter hohem Anpas­sungs­druck durch radi­ka­le Ver­än­de­run­gen in unse­ren Märk­ten. Die­ser Druck von außen führt jetzt dazu, dass wir unse­re gesam­ten Struk­tu­ren über­prü­fen und anpas­sen müs­sen. Der jetzt ein­ge­schla­ge­ne Sanie­rungs­weg wird das Unter­neh­men auf neue Bei­ne stel­len und uns zu nach­hal­ti­ger Pro­fi­ta­bi­li­tät füh­ren“, erklärt Geschäfts­füh­rer Middendorf.

Das Gericht hat dem Antrag statt­ge­ge­ben und die vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung ange­ord­net. Mit dem ESUG, dem Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men, hat der Gesetz­ge­ber seit 2012 hier­zu die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen. Sie sol­len Unter­neh­men eine wett­be­werb­li­che Aus­zeit ermög­li­chen, um sich wie­der markt­ge­recht aufzustellen.

Das Beson­de­re des Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­rens ist, dass der bis­he­ri­ge Geschäfts­füh­rer wei­ter­hin im Amt bleibt und die Sanie­rung selbst­stän­dig durch­füh­ren kann. Dabei wird er durch die Sanie­rungs­ex­per­ten der Unter­neh­mens­be­ra­tung ple­no­via (bis 1.5.20 als Bucha­lik Bröm­me­kamp Unter­neh­mens­be­ra­tung fir­mie­rend) beglei­tet. Tim Lang­städt­ler von der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walts­kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp ergänzt die Unter­neh­mens­lei­tung als Sanie­rungs­ge­schäfts­füh­rer. Wei­ter­hin über­nimmt ein vor­läu­fi­ger Sach­wal­ter eine Auf­sichts­funk­ti­on. Er hat die Auf­ga­be, die wirt­schaft­li­che Lage des Schuld­ners zu prü­fen. Das Amts­ge­richt hat Dr. Sven-Hol­ger Und­ritz von der Kanz­lei White & Case zum vor­läu­fi­gen Sach­wal­ter bestellt.

„Die Pro­duk­ti­on, der Ver­trieb sowie unse­re Han­dels­platt­for­men blei­ben wäh­rend des Ver­fah­rens wei­ter­hin unein­ge­schränkt geöff­net. Die Anord­nung der Eigen­ver­wal­tung hat kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen auf den lau­fen­den Geschäfts­be­trieb. Es ist sicher­ge­stellt, dass alle Auf­trä­ge wei­ter aus­ge­führt und auch neue Auf­trä­ge ange­nom­men wer­den kön­nen“, so Dani­el Mid­den­dorf. Die Teten­al Euro­pe GmbH ent­wi­ckelt, pro­du­ziert und ver­treibt hoch­wer­ti­ge che­mi­sche Spe­zi­al­pro­duk­te für die pro­fes­sio­nel­le Foto­bil­d­er­zeu­gung (Ima­ging), die Was­ser­auf­be­rei­tung (Aqua­ris­tik), den Agrar- und Bio­gas­be­reich (Mikro­nähr­stoff­lö­sun­gen) sowie Kos­me­tik. Wei­ter­hin ver­kauft das Nor­der­sted­ter Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men Gerä­te und Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en aus­ge­wähl­ter Mar­ken­her­stel­ler im Bereich Druck und Foto­bil­d­er­zeu­gung. Am Pro­duk­ti­ons­stand­ort in Nor­der­stedt sind rund 120 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt. Die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten in Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Polen sind von dem Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren nicht betroffen.

Die Mit­ar­bei­ter wur­den bereits in einer Mit­ar­bei­ter­ver­samm­lung über das Ver­fah­ren infor­miert. Die Löh­ne und Gehäl­ter sind in den nächs­ten drei Mona­ten über das Insol­venz­geld gesi­chert, danach über­nimmt das Unter­neh­men wie­der die Zahlungen.

In dem Ver­fah­ren wird das Unter­neh­men von der Unter­neh­mens­be­ra­tung ple­no­via aus Düs­sel­dorf beglei­tet, die mit der Geschäfts­füh­rung ein Zukunfts­kon­zept ent­wi­ckelt. Dem Zukunfts­kon­zept, das die Fort­füh­rung von Teten­al und die Ent­schul­dung auf­zeigt, müs­sen spä­ter die Gläu­bi­ger zustim­men. „Teten­al ist im ope­ra­ti­ven Bereich in fast allen Geschäfts­be­rei­chen kern­ge­sund. Nicht gesun­de Berei­che wer­den wir nach­hal­tig restruk­tu­rie­ren. Die Eigen­ver­wal­tung ist der rich­ti­ge Weg, um die Sanie­rung im Inter­es­se aller Betei­lig­ten umzu­set­zen. Im Ver­fah­ren müs­sen wir nun die grund­sätz­li­chen Struk­tu­ren schaf­fen, um das Unter­neh­men so auf­zu­stel­len, dass es mit­tel- bis lang­fris­tig eine gute Chan­ce hat und an die gesun­ke­nen Umsät­ze ange­passt ist“, erklärt der Sanie­rungs­ex­per­te, der erst kürz­lich die Höltl Retail Solu­ti­ons (Bad Hers­feld) durch ein Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren erfolg­reich beglei­tet hat.