Working Capital – zu Deutsch „gebundenes Kapital“ – ist eines der Kernthemen zur Verbesserung der Liquidität im Einzelhandel. Allerdings findet das Working Capital Management gerade in kleineren Einzelhandel-Unternehmen nach wie vor noch viel zu wenig Bedeutung. Mit dem Zusammenspiel zwischen Inventar, Forderungen und Verbindlichkeiten sowie langen Zahlungszielen sind nur wenige Einzelhändler vertraut und binden daher unnötig Liquidität im Unternehmen.

Durchschnittliche Kapitalbindungsdauer beträgt im Einzelhandel 54 Tage

Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Coronakrise benötigen viele Einzelhändler aber genau diese Liquidität, welche sich aus den Netto-Umlaufvermögen durch ein optimiertes Working Capital Management generieren lässt. Gemäß der PWC Studie 2019/2020 liegt die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer im Einzelhandel bei ca. 54 Tagen. Insbesondere der Modeeinzelhandel weist mit einer Kapitalbindungsdauer von ca. 100 – 200 Tagen einen weitaus höheren Durchschnitt auf. Optimierungsbedarf besteht insbesondere bei der Bestandsreichweite (Days Inventory on-Hand, DIO). Der durchschnittliche Zeitraum zwischen Wareneingang und Entnahme der Ware liegt im Luxusgüter-Segment derzeit bei 135 Tagen und im Sportartikel-Segment bei 130 Tagen.

Später bestellen und bezahlen

Relative kurzfristig und schnell umsetzbare Optimierungen sind, insbesondere im Zuge der Coronakrise:

  • mit den Lieferanten verlängerte Zahlungsziele von mindestens 60 – 90 Tagen zu vereinbaren sowie
  • die Bestellung der Ware für die kommende Saison so weit wie möglich nach hinten zu schieben.

Dies würde sich wie folgt auf die Liquidität auswirken:

  1. Durch verlängerte Zahlungsziele werden sich die Verbindlichkeiten erhöhen und gleichzeitig die liquiden Mittel kurzfristig nicht reduzieren. Das Kapital bleibt länger im Unternehmen.
  2. Durch die Reduzierung der durchschnittlichen Lagerdauer (DIO) wird das Umlaufvermögen optimiert, sodass erhebliche Vorteile für die Liquidität entstehen. Es wird weniger Kapitel im Unternehmen gebunden.

Dies ist nur ein kleiner Ausblick von Maßnahmen zur Verbesserung des Working Capitals. In der Praxis ist oft die Kombination mehrerer Maßnahmen entscheidend für eine nachhaltige Reduzierung der Kapitalbindung und damit einhergehend für eine Freisetzung liquider Mittel. Die Maßnahmen sind hierbei immer individuell zu definieren. Zudem ist ein regelmäßiges Umsetzungscontrolling entscheidend für den langfristigen Erfolg.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Identifizierung und Hebung von Liquiditätspotenzialen!

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