Warum werden Sanierungskonzepte wieder relevant?

 

Es fällt schwer, dem ver­gan­ge­nen Jahr 2020 etwas Posi­ti­ves abzu­ge­win­nen. Seit dem Jah­res­be­ginn 2020 wütet der Coro­na-Virus in all sei­ner Bru­ta­li­tät welt­weit. Was bedeu­tet das für uns? Men­schen, Ange­stell­te, Arbeit­ge­ber und Unter­neh­men sehen sich mit der wohl größ­ten Her­aus­for­de­rung der Nach­kriegs­ge­schich­te konfrontiert.

Märk­te kom­men nicht nur ins Wan­ken, son­dern bre­chen zum Teil kom­plett ein! Poli­ti­sche Ein­däm­mungs­maß­nah­men, zum Schutz der Bevöl­ke­rung, füh­ren zu Ein­schrän­kun­gen im All­tag, zu Kurz­ar­beit, zu tem­po­rä­ren Unter­neh­mens­schlie­ßun­gen, zu Lie­fer­schwie­rig­kei­ten von Zulie­fe­rern, etc.! Die Lis­te der beein­träch­tig­ten Berei­che ist schier end­los lang.

Eins jedoch haben wir aber aus dem Jahr 2020 gelernt. Nichts ist ste­ti­ger als der Wandel!

Seit dem 01.01.2021 ist das neue Unter­neh­mens­sta­bi­li­sie­rungs- und ‑restruk­tu­rie­rungs­ge­setz (StaRUG) in Kraft getre­ten. Die­ses neue Gesetz ver­pflich­tet Unter­neh­mer und Sta­ke­hol­der, sich deut­lich lang­fris­ti­ger mit der Pla­nung und Ent­wick­lung im Bereich Risi­ko­ma­nage­ment und Kri­sen­früh­erken­nung eines Unter­neh­mens zu beschäf­ti­gen. Die aus der „Coro­na-Kri­se“ ent­stan­de­nen Kon­se­quen­zen las­sen sich aktu­ell nicht genau abschät­zen. Die har­ten Lock­down-Rege­lun­gen in Deutsch­land hat­ten zur Fol­ge, dass sich die Trends der Digi­ta­li­sie­rung, Indus­trie 4.0 sowie E‑Com­mer­ce-Han­del eher beschleu­nigt haben. Jene Unter­neh­men, die die­se Neu­aus­rich­tung bis­her nicht umge­setzt haben, kom­men nun ver­mehrt in Zug­zwang, da deren Geschäfts­mo­del­le zu schei­tern drohen.

Auch auf dem Markt der Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten ist nach dem Aus­bruch der Pan­de­mie in Deutsch­land die Dyna­mik redu­ziert wor­den. Auf­grund der gering­fü­gi­gen Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten und neu­en Markt­ver­hält­nis­se waren Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten gezwun­gen die Hal­te­dau­er ihrer Invest­ments wei­ter zu ver­län­gern und sind heu­te dabei, die Unter­neh­men durch die Pan­de­mie zu steuern.

Um sicher­zu­stel­len, dass die Port­fo­li­oun­ter­neh­men wei­ter­hin ein orga­ni­sches Wachs­tum gene­rie­ren, wird auf die Umset­zung von Kos­ten­sen­kungs- und Effi­zi­enz­pro­gram­men abge­zielt. Aller­dings nimmt die Umset­zung der Maß­nah­men deut­lich mehr Zeit in Anspruch und aus gege­be­nem Anlass ste­hen Geschäfts­mo­del­le mehr denn je im Fokus. Ein Sanie­rungs­kon­zept, wel­ches von einem erfah­re­nen, neu­tra­len Bera­ter erstellt wer­den soll­te, defi­niert sol­che Pro­gram­me sowie die Neu­aus­rich­tung und Pro­fil­schär­fung von Unter­neh­men und lei­tet die dafür not­wen­di­gen Maß­nah­men ein.

 

Wann braucht man ein Sanierungskonzept?

 

Ein Sanie­rungs­kon­zept wird benö­tigt, wenn ein Unter­neh­men in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten gerät oder die Kapi­tal­ge­ber neu­es Geld zur Ver­fü­gung stel­len sol­len. In den meis­ten Fäl­len befin­det sich das Unter­neh­men bereits in einer Kri­se, wel­che in der Regel eine Fol­ge von ver­schie­de­nen unge­lös­ten Pro­ble­men ist. Das kön­nen zum Bei­spiel intrans­pa­ren­te Kon­troll­sys­te­me, kom­ple­xe gesell­schafts­recht­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren oder stra­te­gi­sche Feh­ler bei der Port­fo­lio- oder Markt­er­wei­te­rung sein.

Gemäß dem IDW (Insti­tut der Wirt­schafts­prü­fung in Deutsch­land e.V.) gibt es fünf cha­rak­te­ris­ti­sche Kri­sen­sta­di­en mit den dazu­ge­hö­ri­gen Merk­ma­len und Ursa­chen. Jedes sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Unter­neh­men durch­läuft jede ein­zel­ne Kri­se in der unten auf­ge­führ­ten Rei­hen­fol­ge. Ein Unter­neh­men hat das ers­te Sta­di­um mit einer Sta­ke­hol­der­kri­se erreicht und endet im schlimms­ten Fall mit der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Unter­neh­mens, der Insol­venz. Ein umsetz­ba­res Sanie­rungs­gut­ach­ten muss erstellt wer­den, damit die Exis­tenz des Unter­neh­mens für Sta­ke­hol­der und Share­hol­der trans­pa­rent dar­ge­stellt, ver­folg­bar und damit gesi­chert wer­den kann.

 

Art der Kri­se nach IDW S6

 

Wer schreibt ein Sanierungskonzept?

 

In den meis­ten Fäl­len wer­den Unter­neh­mens­be­ra­ter oder Wirt­schafts­prü­fer für die Erstel­lung eines Sanie­rungs­gut­ach­tens beauf­tragt. Grund­sätz­lich darf jeder mit aus­rei­chend Fach­wis­sen ein Sanie­rungs­gut­ach­ten erstel­len, jedoch ist dann die Neu­tra­li­tät des Gut­ach­ters maß­geb­lich. Des Wei­te­ren muss die­ser auch als Media­tor zwi­schen den ver­schie­de­nen Inter­es­sen­grup­pen schlich­ten können.

Für die rich­ti­ge Aus­wahl des Kon­zep­ter­stel­lers hat „ple­no­via“ zehn Fra­gen formuliert:

 

 

Was beinhaltet ein Sanierungskonzept?

 

Die Kern­aus­sa­ge des Sanie­rungs­kon­zep­tes ist es die Sanie­rungs­fä­hig­keit der Gesell­schaft dar­zu­stel­len. Die­ses beinhal­tet, nicht nur eine Fort­füh­rungs­pro­gno­se („going con­cern“), son­dern auch mög­li­che Maß­nah­men zur Gewähr­leis­tung der Ren­di­te­fä­hig­keit sowie Wie­der­her­stel­lung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Gesell­schaft. Dabei soll­te stets das Geschäfts­mo­dell im Mit­tel­punkt ste­hen. Es erfolgt eine qua­li­ta­ti­ve Ein­schät­zung der leis­tungs­wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se, um Maß­nah­men zur Bewäl­ti­gung der Kri­se ablei­ten zu kön­nen. Zu Beginn wird eine IST-Auf­nah­me der aktu­el­len Situa­ti­on des Unter­neh­mens durch­ge­führt, um die Ver­lust- und Pro­blem­be­rei­che zu iden­ti­fi­zie­ren. In Anbe­tracht der IST-Auf­nah­me wer­den ent­spre­chen­de finanz- sowie leis­tungs­wirt­schaft­li­che Maß­nah­men und deren Effek­te abge­lei­tet. Die­se wer­den im Anschluss im Zuge der inte­grier­ten Unter­neh­mens­pla­nung ver­ar­bei­tet. Zu berück­sich­ti­gen ist, dass eine nach­hal­ti­ge Sanie­rung des Unter­neh­mens mit den not­wen­di­gen Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Kri­sen­ur­sa­chen durch­ge­führt wer­den muss. Andern­falls wer­den die nicht iden­ti­fi­zier­ten Ursa­chen wie­der­holt das Unter­neh­men in eine Kri­se führen.

 

 

Wie wird ein Sanierungskonzept bewertet?

 

Damit ein Sanie­rungs­kon­zept auch effek­tiv beur­teilt wer­den kann, wur­den zehn Fra­gen von „ple­no­via“ for­mu­liert, die für die Bewer­tung von Sanie­rungs­kon­zep­ten wesent­lich sind:

 

 

Wobei kann ein Sanierungskonzept Investoren helfen?

 

Ein Sanie­rungs­kon­zept ist ein effek­ti­ves Instru­ment zur Bewäl­ti­gung von Unter­neh­mens­kri­sen sowie zur Siche­rung der Exis­tenz eines Unter­neh­mens. Auf Grund­la­ge eines soli­den Sanie­rungs­kon­zep­tes kön­nen Finanz­in­ves­to­ren Pro­blem­fel­der bei bestehen­den Port­fo­li­oun­ter­neh­men oder poten­zi­el­len Inves­ti­ti­on­s­tar­gets identifizieren.

Bei einem lau­fen­den M&A Pro­zess beein­flusst das Sanie­rungs­kon­zept die Unter­neh­mens­be­wer­tung der Inter­es­sen­ten. Das Kon­zept gibt den Inves­to­ren einen Markt­über­blick mit den jewei­li­gen Wett­be­werbs­teil­neh­mern und zeigt die Höhe der Inves­ti­tio­nen in das zu inves­tie­ren­de Unter­neh­men auf. Eine Unter­neh­mens­be­wer­tung ist jedoch nicht Teil eines Sanie­rungs­kon­zep­tes und soll­te sepa­rat durch­ge­führt werden.

Im Fal­le von bereits inves­tier­tem Kapi­tal in ein Unter­neh­men kann der Finanz­in­ves­tor das Sanie­rungs­kon­zept als Ent­schei­dungs­grund­la­ge dazu nut­zen, neu­es Kapi­tal für das Unter­neh­men zur Ver­fü­gung zu stel­len, um die Ren­di­te­fä­hig­keit der Betei­li­gungs­ge­sell­schaft zu stei­gern. Denn umso frü­her Unter­neh­mens­kri­sen erkannt wer­den, kön­nen die Maß­nah­men noch recht­zei­tig umge­setzt wer­den. Im spä­te­ren Kri­sen­sta­di­um sinkt der Hand­lungs­spiel­raum und der Hand­lungs­druck für eine Sanie­rung steigt.

Die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie wer­den vor­aus­sicht­lich den Restruk­tu­rie­rungs­markt im Jahr 2021 deut­lich beein­flus­sen. Eine erhöh­te Anzahl an zu sanie­ren­den Unter­neh­men und „Dis­tres­sed (not­lei­den­de) Trans­ak­tio­nen“ wer­den auf­tre­ten. Es ist abzu­se­hen, dass die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie gan­ze Wert­schöp­fungs­ket­ten sowie wirt­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen von Port­fo­li­oun­ter­neh­men und Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten stark beein­flus­sen werden.

Es ist zu emp­feh­len ein Sanie­rungs­kon­zept mit Schwer­punkt der Prü­fung des Geschäfts­mo­dells sowie der Wett­be­werbs- und Ren­di­te­fä­hig­keit des Port­fo­li­oun­ter­neh­mens zu erstel­len, ein Risi­ko­früh­erken­nungs­sys­tem zu inte­grie­ren sowie dyna­misch anzu­wen­den, damit Kri­sen­ur­sa­chen früh­zei­tig iden­ti­fi­ziert, bewer­tet und gegen­ge­steu­ert wer­den kann. Erfah­re­ne Bera­ter kön­nen Unter­neh­men sowie Inves­to­ren erfolg­reich beglei­ten und von der Gut­ach­ten­er­stel­lung bis hin zur Umset­zung der Maß­nah­men bei einer Restruk­tu­rie­rung unterstützen.

 

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